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Paulus
- Ausschnitte aus seinem Leben
Die
Missionsreisen des Paulus
Harte Missionsarbeit
Der Streit
Die Lösung
Am Rande des Apostelkonvents
Streit mit Petrus
2. Missionsreise
Gespräch zwischen Paulus und
Onesimus
Im Bemühen um die Einheit der Christen
Die Verhaftung - Der Tod
Ich
möchte mich Ihnen gerne vorstellen:
Mein Namen ist Saulus bzw. Paulus.
Saulus ist mein jüdischer Name, den ich, in Anlehnung an den ersten König
der Juden, Saul, von meinen Eltern erhielt.
Paulus ist mein römischer Name.
Ich wurde in Tarsus, als Kind einer streng jüdischen Familie, um die
Jahrhundertwende geboren.
Tarsus liegt unweit des mittelländischen Meeres am Fuß des Taurusgebirges,
an einer Straße von Kleinasien nach Syien.
Schon als junger Mann schloss ich mich den Pharisäern an und war, wie
sie, um eine strenge Frömmigkeit bemüht.
Ich war ein leidenschaftlicher Eiferer für das Gesetz, die von den Vätern
überkommenen Überlieferungen.
So war es logisch, dass ich die Christengemeinde, die sich in meinen Augen
von den Heilsgrundlagen meines Volkes gelöst hatte, mit Eifer verfolgte.
Ich war wild entschlossen, alle, die Jesus folgten und so das Gesetz nicht
mehr hundertprozentig beachteten, alle, die seinen Glauben lebten und lehrten,
zu verfolgen - und wenn möglich zu töten.
Deswegen ging ich sogar zum Hohenpriester und bat ihn, Briefe nach Damaskus
in die Synagoge zu senden, damit ich alle Anhänger Jesu dort gefangen
nehmen und nach Jerusalem überführen konnte.
Aber
was dann geschah, kann ich kaum mit Worten ausdrücken:
Auf dem Weg nach Damaskus, kurz vor dieser großen Stadt, sah ich plötzlich
ein helles Licht, das aus dem Himmel kam.
Geblendet fiel ich auf die Erde und hörte eine Stimme, die zu mir sprach:
"Saul, Saul, warum verfolgst du mich?"
Ich fragte: "Herr, wer bist du?"
Die Stimme antwortete: "Ich bin Jesus, den du verfolgst!"
Jesus befahl mir, in die Stadt zu gehen. Dort würde man mir sagen, was
ich tun sollte.
Meine Gefährten standen sprachlos da, denn sie hörten zwar die Stimme,
sahen aber niemanden.
Als ich mich aufrichtete, stellte ich fest, dass ich blind war - ich konnte
nichts, aber auch wirklich gar nichts mehr sehen!
Meine Gefährten führten mich deshalb nach Damaskus.
Drei Tage lang konnte ich nichts sehen und in dieser Zeit aß und trank
ich auch nichts.
Wie
mir später berichtet wurde, erschien in dieser Zeit Gott einem Mann namens
Hananias, der in Damaskus wohnte. Ihm erzählte er von mir und beauftragte
ihn, mich zu heilen.
Er widersprach heftig - was ich durchaus verstehen kann: "Herr",
sagte er, "er hat den Menschen in Jerusalem, die an Jesus Christus glauben,
so viel Böses angetan und hier hat er die Vollmacht, alle gefangen zu
nehmen, die an ihn glauben. Willst du wirklich, dass ich ihn heile?"
Aber Gott sagte ihm - was ich natürlich nicht wusste: "Geh ruhig
zu ihm, denn er ist mein auserwähltes Werkzeug! Er wird mich und meinen
Namen überall in der Welt bekannt machen!"
So kam Hananias zu mir, legte mir die Hände auf und sagte: "Jesus
hat mich geschickt, ich soll dir dein Augenlicht zurück geben, damit
du wieder sehen kannst - und Gottes Heiliger Geist wird dich begleiten!"
Und
wirklich - ich konnte wieder sehen, stand auf und ließ mich sofort auf
den Namen Jesu taufen!
Das
war die entscheidende Wende in meinem Leben.
In meinem Brief an die Gemeinden in Galatien habe ich diese Wende einmal so
beschrieben:
Denn
ihr habt ja gehört von meinem Leben früher im Judentum, wie ich
über die Maßen die Gemeinde Gottes verfolgte und sie zu zerstören
suchte und übertraf im Judentum viele meiner Altersgenossen in meinem
Volk weit und eiferte über die Maßen für die Satzungen der
Väter.
Als es aber Gott wohlgefiel, dass er seinen Sohn offenbarte in mir, damit
ich ihn durchs Evangelium verkündigen sollte unter den Heiden, da besprach
ich mich nicht erst mit Fleisch und Blut.
Ging auch nicht hinauf nach Jerusalem zu denen, die vor mir Apostel waren,
sondern zog nach Arabien und kehrte wieder zurück nach Damaskus.
Durch
die Begegnung mit Jesus ist für mich alles anders geworden.
Mein Lebensziel ist nicht mehr, mich durch eigene Leistung die Anerkennung
Gottes und meiner Mitmenschen zu sichern.
Christus hat mir gezeigt: Menschen können sich Gottes Liebe nicht erwerben,
sondern Gott wendet sich allen Menschen zu - ohne Rücksicht auf ihre
Leistungen oder Fehlleistungen:
Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir".
Von jetzt an möchte ich genau diese Erfahrung allen Menschen zugänglich
machen.
Ich
blieb noch einige Tage in Damaskus und predigte dort in den Synagogen, dass
Jesus Gottes Sohn ist!
Wie man sich denken kann, waren die Menschen dort sehr erstaunt, dass ich,
der die Christen leidenschaftlich verfolgt hatte, nun diesen Jesus als Herrn
und Heiland der Welt verkündigte.
Aber - oder vielleicht gerade deswegen - meiner Predigt war großer Erfolg
beschieden.
Deswegen,
weil insbesondere viele Juden zum Glauben an Jesus Christus kamen, beschlossen
die Juden in Damaskus, mich zu töten.
Zum Glück erfuhr ich davon - und weil sie sogar die Stadttore bewachten,
um mich auf jeden Fall zu fangen, ließen Christen aus Damaskus mich
bei Nacht in einem Korb an der Stadtmauer herunter.
Ich entkam und begab mich nach Jerusalem, aber dort erging es mir zunächst
wie in Damaskus auch: Die Jüngerinnen und Jünger dort konnten es
nicht glauben, dass ich, der Christenverfolger von einst, jetzt ein Jünger
Jesu sein sollte.
Barnabas führte mich in die Gemeinde ein, nahm sich meiner an und erzählte
den anderen davon, wie ich Jesus vor Damaskus begegnete und wie ich den Glauben
an ihn in Damaskus bezeugt hatte.
Und so konnte ich dann auch in Jerusalem predigen und meinen neuen Glauben
bezeugen.
Aber
wieder, wie schon in Damaskus, stellten die Juden mir nach und versuchten
mich zu töten.
Ich entkam nach Caesarea und von dort gelangte ich nach Tarsus.
Dort blieb, lebte und predigte ich für lange Jahre.
Mehr
über mich und mein Leben wird jetzt auf ganz verschiedene Arten und Weisen
vorgestellt werden, allerdings kann es nur ein Ausschnitt aus meinem langen
und ereignisreichen Leben sein..
Die
Missionsreisen des Paulus
Paulus
unternahm drei längere Missionsreisen und als Gefangener eine letzte
Fahrt nach Rom, um das Evangelium in das Zentrum der griechisch-römischen
Welt zu tragen.
Paulus brachte Juden wie Nichtjuden den Glauben.
Auf allen drei Reisen legte Paulus weite Strecken mit dem Schiff und zu Fuß
zurück.
Rom war es im Zeichen des römischen Friedens gelungen, die Seeräuberei
im Mittelmeer einzudämmen, so dass Zugang zu allen Teilen des Reiches
gewährleistet war.
Da es zu dieser Zeit noch keinen Passagierdienst gab, segelte Paulus auf Handelsschiffen.
Auf dem Land hielt er sich an das römische Straßennetz, das auch
die Provinzen erschloss. Fernstrassen waren keine Erfindung der Römer,
aber sie erweiterten das Straßennetz zur Herrschaftssicherung und brachten
es durch Pflasterung, Poststationen und Meilensteine auf einen bis dahin unbekannten
Stand.
Paulus' erste Reise führte von Antiochia in Syrien nach Zypern und von
dort nach Pisidien in Kleinasien, ein für seine Räuberbanden berüchtigtes
Bergland.
Von Antiochia in Pisidien begab er sich ostwärts über Ikonion nach
Lystra, wo er von einer feindlichen Menge gesteinigt wurde, zog weiter nach
Derbe und auf dem gleichen Weg wieder zur Küste, um mit dem Schiff nach
Syrien zurückzukehren.
Harte
Missionsarbeit
Viele
Jahre lang zog der Apostel in der östlichen Hälfte des Römischen
Reiches umher.
Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Zeltmacher und mit Gelegenheitsarbeiten.
Nur in größter Not nahm er Spenden aus den Gemeinden an.
Straßen gab es nur wenige.
Oft waren Brücken zerstört, riesige Umwege führten durch unwegsames
Gelände und gefährliche Sumpfgebiete.
Mit Überfällen von Menschen und wilden Tieren hatte man zu rechnen.
Die Schiffe fuhren nur unregelmäßig.
Wer wenig Geld hatte, musste mit kaum seetüchtigen Fischerbooten vorlieb
nehmen. In schwer angeschlagenen Fahrzeugen trieb Paulus mehrmals hilflos
auf dem Meer.
Bald
bekamen Paulus und seine Mitarbeiter auch den Unmut der Juden gegen ihre Mission
zu spüren.
Man denunzierte sie bei den römischen Behörden und veranlasste so
ihre Verhaftung oder Vertreibung.
Selbst in den jungen Gemeinden gab es manchen Ärger.
Paulus war kein guter Redner. Seine Gegner hielten dies ihm als Schwäche
vor.
Es kam zum Streit um den rechten Glauben und das richtige Verhalten.
Paulus
schrieb über sein Leben:
Ich bin im Gefängnis und in Todesgefahr gewesen.
Fünfmal habe ich von den Juden die neununddreißig Schläge
bekommen.
Dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal bin ich gesteinigt worden.
Ich habe drei Schiffbrüche erlebt; das eine Mal trieb ich eine Nacht
und einen Tag auf dem Meer.
Auf meinen vielen Reisen haben mich Hochwasser und Räuber bedroht.
Juden und Nichtjuden haben mir nachgestellt.
Es gab Gefahren in den Städten und in der Wüste.
Gefahren auf hoher See und Gefahren bei falschen Brüdern.
Ich habe Mühe und Not durchgestanden.
Ich habe oft schlaflose Nächte gehabt; ich bin hungrig und durstig gewesen.
Oft habe ich überhaupt nichts zu essen gehabt oder ich habe gefroren,
weil ich nicht genug anzuziehen hatte." (nach 2. Korinther 11,23-27)
Fünfzehn
Jahre waren vergangen, seit Paulus von Damaskus aus seine Missionsreisen begonnen
hatte.
Er
war in Arabien, Syrien und im südlichen Kleinasien gewesen.
In Antiochien war ein neues christliches Zentrum entstanden, zu dem hauptsächlich
Heidenchristen gehörten.
Sie kannten die Tora nicht und ließen deshalb ihre Kinder nicht beschneiden.
Die Judenchristen in Jerusalem, die Heidenchristen in Antiochien: zwei getrennte,
feindliche Kirchen?
Es gab Judenchristen, die sagten, mit den Unbeschnittenen in Antiochien wollen
sie nichts zu tun haben.
Um den drohenden Streit zu schlichten, zogen Paulus, Barnabas und Titus nach
Jerusalem.
Sie trafen dort mit den Säulen" der Jerusalemer Gemeinde zusammen,
den Aposteln Jakobus, Petrus und Johannes. Paulus berichtet von diesem Apostelkonvent:
Der
Streit
Aber
nicht einmal mein Begleiter Titus, der ein Grieche ist, wurde gezwungen, sich
beschneiden zu lassen. Es gab allerdings einige falsche Brüder, die das
verlangten. Sie hatten sich eingeschlichen, um herauszufinden, wie weit die
Freiheit geht, die wir als Christen haben. Sie hätten uns gerne wieder
unter das Gesetz gezwungen."
Paulus: Aber ich habe ihnen nicht einen Augenblick nachgegeben. Das Evangelium
sollte euch unverfälscht erhalten bleiben!
Die
Lösung
Die
Männer, die als maßgebend gelten, machten mir keinerlei Vorschriften.
Sie erkannten, dass Gott mich beauftragt hat, das Evangelium den nichtjüdischen
Völkern zu bringen, so wie er Petrus beauftragt hat, sie den Juden zu
bringen.
Denn Gott wirkte durch Petrus bei seiner Arbeit unter den Juden und hat ihn
so als Apostel für die Juden bestätigt.
Ebenso hat er mich als Apostel für die anderen Völker bestätigt.
Die Männer, die als Säulen gelten, Jakobus, Petrus und Johannes,
sahen daran, dass Gott mir einen besonderen Auftrag gegeben hat.
So gaben sie mir und Barnabas die Hand zum Zeichen der Gemeinschaft.
Wir einigten uns, dass Barnabas und ich bei den anderen Völkern arbeiten
sollten und sie bei den Juden.
Sie baten nur, dass wir die verarmte Gemeinde in Jerusalem unterstützen
sollten. Darum habe ich mich auch wirklich bemüht. (nachGalater2,l-5)
Am
Rande des Apostelkonvents
Ein
erdachtes Gesprach zwischen Titus, Begleiter des Paulus, sowie zwei Judenchristen,
Andreas und Samuel.
Titus:
Das war ein heftiges Gespräch. Ich hatte Angst, dass wir uns nicht einigen
würden. Aber Gott sei Dank waren doch alle bereit, dem anderen zuzuhören.
Andreas:
Ja schon, aber wir verstehen Paulus nicht. Er kämpft wie ein Löwe
für seine Einstellung und tut so, als wäre das Gesetz totaler Quatsch.
Und dann sagt er wieder das Gegenteil, dass das Gesetz heilig, gut und gerecht
sei. Wer kann so etwas verstehen
Titus:
Paulus schätzt das Gesetz doch auch. Jahrelang hat er - strenger als
ihr alle zusammen - danach gelebt.
Aber es geht ihm nicht um die Juden, um euch, sondern um uns Heiden. Wir Heiden
haben unseren alten Glauben abgelegt, wir verehren unsere Gotter nicht mehr,
weil wir Jesus Christus begegnet sind. Warum sollen wir erst die jüdischen
Gesetze einhalten und uns zu Juden machen lassen und dann erst Christen sein
dürfen?
Darum geht es ihm doch!
Samuel:
Wenn ihr aber doch nichts gegen unser gesetz habt, dann könnt ihr es
doch auch einhalten! Und dann wäre der ganze Arger vorbei.
Titus:
Aber wir haben uns für Jesus Christus entschieden und nicht für
das Gesetz. Christus hat uns frei gemacht, so dass wir jetzt ohne Angst vor
unseren alten Göttern leben können. Ja wir wissen, dass sie nur
Götzen sind. Dem gesetz aber verdanken wir nichts. Es mag euch viel bedeuten,
uns bedeutet es nichts!
Andreas:
Wenn du so redest, ist mir gar nicht wohl. Jesus hat zu seinen Lebzeiten viel
von dem Gesetz gehalten. Er hat manche Bestimmung herausgegriffen und sogar
noch verschärft. Fast mehr als die Pharisäer Haltet ihr euch nicht
an einen Fantasie-Jesus? Der, den wir kennen, der mit uns herumzog, scheint
es jedenfalls nicht zu sein.
Titus:
Paulus hat uns das anders erzählt.
Als er uns, die Christen, noch verfolgte, damals, vor Damaskus, ist ihm Christus
erschienen und hat zu ihm gesprochen.
Er selbstpersönlich sandte ihn zu uns Heiden, um uns zu sagen: Gott liebt
alle Menschen. Wir brauchen keine besonderen Leistungen zu vollbringen, müssen
nicht erst das Gesetz einhalten. Allein auf das Vertrauen kommt es an.
Samuel:
Das ist bei uns anders. Wir sind mit dem Gesetz aufgewachsen Es ist uns vertraut.
Jesus hat es auch gekannt und eingehalten. Wir empfinden es nicht als Last,
uns ist das Gestz in Fleisch und Blut übergegangen.
Aber natürlich ist auch uns Christus viel wichtiger als das Gesetz.
Titus:
Genau darum geht's uns.
Für uns Heidenchristen ist das Gesetz doch fremd!
Für uns wäre es wie eine Mauer vor Jesus. Euch dagegen hilft es
eher, an Jesus zu denken.
Andreas:
Ich kann da nicht so einfach zustimmen. Ich liebe das Gesetz. Es hat mir in
vielen schweren Stunden geholfen. Ich kann nicht sagen, dass es den Glauben
zerstört. Ich bin Jude und ich bin Christ - ich sehe da keinen Widerspruch.
Samuel:
Ich glaube, es ist gut, dass wir uns darauf geeinigt haben, dass wir, die
wir Juden waren, unseren Glauben mit dem gesetz leben.
Titus:
Und wir, die wir früher Heiden waren, halten uns allein an Jesus Christus
und gestalten unser Leben von dem her, was er gesagt hat.
Streit
mit Petrus
Nicht
lange nach dem Apostelkonvent, dem Treffen mit den Uraposteln in Jerusalem,
kam Petrus nach Antiochia zur christlichen Gemeinde, wo auch Paulus war. Diese
Gemeinde setzte sich aus ehemaligen Heiden zusammen.
Petrus
fühlte sich in dieser Gemeinde wohl und aß und trank mit den Heidenchristen
dort, obwohl das alttestamentliche Gestz das eigentlich verbot.
Es schien so, als würde Petrus sich wirklich an die Beschlüsse des
Aposteltreffens in Jerusalem halten und die Gemeinschaft mit anderen Christen
über das Gesetz stellen.
Dann aber kam eine Abordnung der Urgemeinde aus Jerusalem zu Besuch.
Petrus
saß gerade beim Essen mit den Christen aus Antiochia zusammen.
Als er aber sah, dass sie kamen, zog er sich zurück, um nicht beim gemeinsamen
Mahl mit den Heidenchristen gesehen zu werden.
Selbst Barnabas und die anderen Judenchristen, die sich in Antiochia, in der
christlichen Gemeinde dort aufhielten, taten es ihm gleich.
Paulus
war darüber so aufgebracht, dass er Petrus öffentlich zur Rede stellte:
"Wenn du immer noch meinst, durch Einhalten der Gesetzesvorschriften
gerecht und vor Gott gut zu werden, gehst du einen falschen Weg! Dann hast
du immer noch nichts kappiert! Wir werden nicht durch das einhalten des Gesetzes
gerecht, sondern durch Gottes Liebe zu uns, die in Jesus Christus sichtbar
geworden ist!
Mit deinem verhalten, machst du alles kaputt, was Jesus uns durch sein Sterben
am Kreuz erworben hat!"
So
ganz also war der Konflikt zwischen den Judenchristen und den Heidenchristen
doch noch nicht aus der Welt geschafft.
Theoretisch war man sich einig - praktisch würde es noch eine ganze Zeit
dauern.
2.
Missionsreise
Auf
seiner zweiten Missionsreise begab sich Paulus nach Europa und predigte in
den griechischen Städten Philippi, Thessalonich, Athen und Korinth.
In
Philippi hatte er mehrere entscheidende Begegnungen.
Menschen, die ihn dort erlebt haben, haben wir zu einem Gespräch eingeladen!
Interviewer:
Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich freue mich, Ihnen heute morgen
4 Personen aus Philippi vorstellen zu können, die it Paulus auf dessen
zweiter Missionsreise ihre je ganz besonderen Erfahrungen gemacht haben:
Da ist Lydia, eine Purpurhändlerin, die ihr Haus den Christen zur Verfügung
stellt.
Da ist Herr Timäus, ehemals Besitzer einer Magd mit einem Wahrsagegeist.
Da ist der Kerkermeister von Philippi
und last but not least unser Stadtrichter.
Frau Lydia, erzählen Sie uns doch bitte von Ihrer ersten Begegnung mit
Paulus!
Lydia:
Ich meine, es wäre gestern gewesen. Wie an jedem Sabbat war ich mit anderen
Frauen aus unserer jüdischen Gemeinde am Fluss versammelt, um dort zu
beten und Gottesdienst zu feiern. Da näherten sich uns einige Männer.
Einer von ihnen, er stellte sich mit dem Namen Paulus vor, fing an zu reden,
- nein, zu predigen und ich hörte ihm gespannt zu.
Er erzählte von Jesus von Nazareth. Dieser sei der Sohn Gottes, der am
Kreuz für die Schuld der Menschen gestorben sei. Er sei der Sohn Gottes
und unser Erlöser.
Je länger ich ihm zuhörte, desto gewisser wurde ich, dass er Recht
hatte.
Ich wusste, durch diesen Paulus sprach Gott zu mir.
Ich war so überwältigt von seiner Predigt, dass ich mich taufen
ließ.
Timäus:
So ein Schwachsinn!
Mir jedenfalls hat dieser Paulus kräftig das Geschäft verdorben.
Er hat meiner Magd ihren Wahrsagegeist ausgetrieben.
Für mich war das eine Katastrophe, denn meine beste Einnahmequelle ist
dadurch versiegt.
Stadtrichter:
Aber du hast ja dann auch dafür gesorgt, dass die Menschen in Philippi
sich gegen Paulus und Silas, seinen Begleiter, wandten.
Du hast ja beinahe einen Aufruhr angezettelt.
Timäus:
Der Paulus und der Silas haben ja auch schließlich mein Geschäft
ruiniert. Wovon soll ich noch leben?
Und stellen Sie sich doch nur einmal vor, das würden die beiden bei allen
Leuten tun. Der stellt ja alles in Frage, was hier bei uns in Philippi bisher
als Recht und Ordnung galt. Selbst den Kaiserkult greift der mit seinem Glauben
an den einen Gott an! Da musste doch etwas geschehen!
Lydia:
Jetzt reicht`s aber!
Für mich und mein Haus hat durch Paulus ein ganz neues Leben angefangen.
Wir haben den von ihm verkündigten Jesus als Herrn, Retter und Befreier
erfahren.
Kerkermeister:
Genau diese Erfahrung habe ich auch gemacht.
Was mir geschehen ist, das muss ich Ihnen allen hier erzählen.
Man brachte Paulus und Silas zu mir und ich sperrte sie in meine sicherste
Zelle. Zusätzlich legte ich ihre Füße in den Block - um ganz
sicher zu gehen.
Flucht unmöglich!
Andere Gefangene erzählten mir später, dass sie sogar unter diesen
katastrophalen Umständen gebetet und fröhlich gesungen haben!
Aber was dann geschah war noch unglaublicher.
Um Mitternacht riss mich ein schweres Erdbeben aus dem Schlaf. Noch geschockt
erkannte ich sofort, dass alle Zellentüren offen standen! "Alle
Gefangenen sind entflohen!", schoss es mir durch den Kopf. Dafür
war ich verantwortlich.
Aus Verzweiflung griff ich zum Schwert und wollte mich umbringen, aber zum
Glück rief Paulus rechtzeitig: "Halt, tu das nicht! Wir sind noch
alle da!"
Unglaublich! - Und die sollen Aufrührer sein?
Timäus:
Natürlich sind die das! Die gehören umgebracht!
Kerkermeister:
Nein, überhaupt nicht!
Die haben nicht nur in dieser Situation mein Leben gerettet, sondern die haben
mir auch den Weg zum ewigen Leben gezeigt:
Ich und meine Familie glauben durch sie an Jesus Christus!
Stadtrichter:
Das mag alles richtig sein. Aber ihr Glaube ist für uns gefährlich
- und damit auch der Glaube von dir und deiner Familie!
Die bringen alles durcheinander.
Politische Aufrührer sind sie sicherlich nicht, aber dennoch war es besser,
sie weg zu schicken. Wer weiß, was sie sonst noch alles angestellt hätten.
Lydia: Ich werde mich dennoch auch weiterhin für den Glauben an Jesus
Christus einsetzen und dafür sorgen, dass dieser einzig wahre Glaube
sich verbreitet und bestehen bleibt.
Kerkermeister:
Und ich werde dich dabei unterstützen
Interviewer:
Vielen Dank für das interessante Gespräch.
Während
uns der Brief des Paulus an die Gemeinde in Philippi zeigt, wie sehr er dieser
Gemeinde auch später noch verbunden war, zeigen andere Briefe, zum Beispiel
die an die Gemeinde in Korinth, die ebenfalls auf der zweiten Missionsreise
gegründet wurde, wie er auch um seine Anerkennung als Apostel kämpfen
musste und wie er auf die Probleme der Gemeinden einging.
Ihm ging es immer um die Gemeinschaft der Christen, darum, dass keine Trennungen
und Abspaltungen entstanden.
Weder zwischen Juden- und Heidenchristen, noch innerhalb der einzelnen Gemeinden.
Gerade in Korinth drohte die Gemeinde auseinander zu brechen, weil einige
Gemeindeglieder sich für besser und wichtiger hielten als andere.
Um
das Aufeinander-Angewiesen-Sein der einzelnen Gemeindeglieder zu erklären,
benutzt Paulus einmal folgendes Bild für die christliche Gemeinschaft:
Nun
besteht aber ein Körper aus vielen einzelnen Gliedern und Organen, nicht
nur aus einem einzigen.
Selbst wenn der Fuß behaupten würde: «Ich gehöre nicht
zum Leib, weil ich keine Hand bin!», er bliebe trotzdem ein Teil des
Körpers.
Und wenn das Ohr erklären würde: «Ich bin kein Auge, darum
gehöre ich nicht zum Leib!», es gehörte dennoch dazu.
Angenommen, der ganze Körper bestünde nur aus Augen, wie könnten
wir dann hören? Oder der ganze Leib bestünde nur aus Ohren; wie
könnten wir dann riechen?
Deshalb hat Gott jedem einzelnen Organ des Körpers seine besondere Funktion
gegeben, so wie er es wollte.
Was für ein sonderbarer Leib wäre das, der nur ein Körperteil
hätte!
Aber so ist es ja auch nicht, sondern viele einzelne Organe bilden gemeinsam
den einen Leib.
Wir
haben uns als Erklärung folgende kurze Geschichte ausgedacht:
Man
erzählt, der Mund, die Hände und Füße seien empört
gewesen und hätten sich geweigert, dem Magen Nahrung zu liefern, weil
er Tag für Tag ohne irgendwelche Bemühung angefüllt werde.
Er selbst sitze untätig dabei.
Als der Magen aber hungerte, erhob er ein Geschrei.
Doch wollten sie ihm einige Tage lang nichts geben.
Da nun der Magen nichts bekam, erschlafften alle Glieder.
Als sie ihm dann wieder Nahrung geben wollten, weigerte sich der Magen, weil
er die Wege schon zugemacht hatte.
So gingen Glieder und Magen vor Erschöpfung zugleich zugrunde.
Christen
sind aufeinander angewiesen - und keiner soll sich über einen anderen
stellen!
Paulus
hilft einem entflohenen Sklaven
Immer
wieder ist Paulus auf seinen Missionsreisen gefangen genommen worden.
Als er einmal in Ephesus gefangen gehalten wird und um sein Leben bangt, kommt
unerwarteter Besuch zu ihm, ein Mann namens Onesimus.
Im Gespräch gibt er sich als Sklave eines gewissen Philemon aus Kolossae
zu erkennen. Dieser, seine Schwester und einige Bekannte der Familie gehören
zu der dortigen christlichen Hausgemeinde.
Offenbar enttäuscht von der Haltung seines Herrn ihm gegenüber,
flieht Onesimus nach einem Diebstahl zu Paulus nach Ephesus.
Von ihm erhofft er sich Hilfe.
Nach dem damaligen Recht muss Onesimus mit einer strengen Bestrafung rechnen,
vielleicht sogar mit der Todesstrafe, falls er auf seiner Flucht aufgegriffen
wird.
Folgendes
Gespräch könnte zwischen Paulus und Onesimus
stattgefunden haben:
Onesimus:
Ich denke noch an deinen letzten Aufenthalt in Kolossae!
Die Christen blieben nach deiner Predigt bei Archippus zusammen.
Appia deckte den Tisch. Die Reichen packten ihre Taschen aus. Sie hatten köstliches
Essen mitgebracht. Alle setzten sich und aßen miteinander. Auch die
Armen, die nichts mitgebracht hatten.
Paulus:
Du hättest wohl gerne mitgegessen?
Onesimus:
Sicher - ich stand hinter einer Säule und hatte Hunger.
Aber das war nicht so wichtig. Ich erlebte Liebe, nicht nur in Worten! Ich
sah es mit meinen Augen!
Ein reicher Wollhändler füllte einem dreckigen Lastenträger
den Teller!
Kein Unterschied mehr! Gottes Liebe machte alle am Tisch gleich.
Da dachte ich, das muss doch auch für mich gelten, der ich ein Sklave
bin.
Paulus:
Was meinst du?
Onesimus:
Das mit der Liebe und der Gleichheit.
Wenn mein Herr wirklich ein Christ ist, dachte ich, kann er mich nicht länger
als Sklave haben. Dann muss er mich freilassen!
Paulus:
Aber das hat er nicht getan?
Onesimus:
Nein - ich musste mich selbst befreien - und deshalb habe ich mir Reisegeld
besorgt
Paulus:
Du meinst wohl: gestohlen?
Onesimus:
Ja, das stimmt - und ich bin zu dir geflohen!
Ich wusste, du bist in Ephesus. Aber erst hier erfuhr ich, dass du gefangen
bist.
Ich möchte mich von dir taufen lassen und auch Christ werden.
Ich will bei dir bleiben und nicht mehr zurück zu Philemon.
Daraufhin
schreibt Paulus einen Brief an Philemon:
Lieber
Philemon,
ich bitte dich für Onesimus.
Er kam zu mir. Er wurde ein Christ, während er bei mir war ...
Du konntest ihn bisher nicht gebrauchen. Er war ein Nichtsnutz, jetzt ist
er dir und mir ein nützlicher Helfer geworden.
Nun sende ich ihn dir zurück, ihn, den ich liebgewonnen habe.
Wenn du nun in mir deinen Freund siehst, dann nimm ihn auf, als wäre
ich es selbst.
Hat er dich aber geschädigt, so schreibe die Schuld auf meine Rechnung.
Wie
die Geschichte ausgegangen ist, wird leider in der Bibel nicht überliefert,
aber wir nehmen an, dass Philemon seinen entlaufenen Sklaven wieder angenommen
hat und ihn auch besser behandelte als zuvor.
Im
Bemühen um die Einheit der Christen
Der große Streit in Antiochien, von dem wir erzählt haben und
in Jerusalem hat Paulus sein ganzes Leben lang nicht zur Ruhe kommen lassen.
Damals, in Jerusalem, als er mit den anderen Aposteln zusammen gekommen
war, hatte er eine Spende aller Gemeinden der Welt für die Armen
in Jerusalem versprochen.
Sie sollte das äußere Zeichen der inneren Zusammengehörigkeit
der christlichen Gemeinde sein.
Unablässig hat Paulus auf vielen seiner Reisen und in seinen Briefen
um dieses Geld gebeten.
Bei seinem letzten Aufenthalt in Korinth ist die Sammlung endlich abgeschlossen
worden.
Jetzt will er die Spende persönlich nach Jerusalem bringen.
Er weiß, dass sein Jerusalembesuch ein waghalsiges Unternehmen ist.
Viele Juden in Jerusalem kennen ihn und lehnen seine Arbeit unter den
Heiden ab. Sie werfen ihm vor, er sei vom Glauben der Väter abgefallen
und habe das Judentum verraten, weil er nicht auf der Einhaltung des jüdischen
Gesetzes für Christen beharrt.
Aber die Jerusalemer Judenchristen machen ihm auch Sorgen.
Er ist überzeugt, dass er ihr Misstrauen ihm und seiner Mission gegenüber
überwinden kann, wenn er sie selbst in Jerusalem besucht.
Damit will er auch zum Ausdruck bringen: Alle Christen der Welt gehören
zusammen.
Die
Verhaftung
Tatsächlich
freut man sich in Jerusalem nicht sehr über die Ankunft des Paulus.
Die judenchristliche Gemeinde befürchtet, dass sich die Spannungen mit
den jüdischen Behörden verschärfen könnten.
Deshalb bitten sie Paulus um ein Zeichen, dass er das alttestamentliche Gesetz
anerkennt.
Daraufhin geht er in den Tempel, um ein Opfergebot des Gesetzes zu erfüllen.
Gerade das wird ihm zum Verhängnis.
Einige Juden behaupten, Paulus sei mit einem Nichtjuden im Tempel gewesen
- ein schwerer Verstoß gegen die Tora.
Ein Tumult entsteht: Die römische Besatzungsmacht greift ein.
Sie kann von der Burg Antonia aus genau beobachten, was im Tempel geschieht.
Da sich Paulus als römischer Bürger ausweisen kann, wird er in Schutzhaft
genommen und nach einem Attentatsversuch nach Cäsara, dem Sitz des römischen
Statthalters, gebracht.
Von dort aus tritt er seine Romreise an. Vor einem kaiserlichen Gericht will
er sein Recht verteidigen.
Tod
Über
den Tod des Paulus weiß man nichts Genaues.
Ein Brief der römischen Gemeinde (um 100 n. Chr.) berichtet, er sei als
Märtyrer gestorben.
Vermutlich wurde er bei den Christenverfolgungen unter Nero (64 n. Chr.) enthauptet.
Er hat sein Schicksal immer als Nachfolge Christi verstanden.
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