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Am 29. Januar 2007 wurde unser
Verein zur Förderung des geistlichen Lebens in der Evangelischen Kirchengemeinde Liebenscheid e.V. gegründet.
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Unser Liebenscheider Taufständer

Anstelle spezieller, theoretischer Gedanken zum Thema Taufe (diese sind im Rabenscheider Kirchenbild zu entdecken), möchte ich an dieser Stelle eine Taufpredigt weitergeben:

Liebe Hanna, lieber Jannis, liebe Eltern und Paten, liebe Gemeinde,
heute wollen wir dich, Hanna und dich, Jannis taufen.
In der Taufe sagt uns Gott seine Liebe öffentlich, verspricht uns, was Hannas Taufspruch aus Josua 1,9 so ausdrückt: „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst."
Etwas wichtigeres als diesen Zuspruch und die darin sichtbarwerdende Liebe gibt es nicht und diese Liebe will sich wiederspiegeln in unserem Leben, in unserem Verhalten anderen Menschen gegenüber, die Gott auch liebt.
Diese Liebe hat aber auch die Bedeutung, dass wir wissen dürfen, jeder von uns ist unendlich wertvoll und
wichtig,
so, wie er ist.
Ich möchte dazu eine Geschichte erzählen:

Es ist die Geschichte vom WAGILÖ, einem Warzenschwein, das zusammen mit anderen Warzenschweinen in einem dreckigen Pfuhl lebt.
Dieses Warzenschwein kommt eines Tages zu einem klaren Bach und sieht dort im Wasser sein Spiegelbild.
Und es entdeckt: Ich habe ja eine dicke Warze auf der Nase. Von da an kann es sich nicht mehr leiden. Es sieht, dass seine Freunde im Pfuhl genauso aussehen - und es kann auf einmal auch seine Freunde nicht mehr leiden.
Es denkt: Ach, wenn ich doch nur auch so blau wäre, wie der Karpfen, den ich in dem klaren Bach gesehen habe, da stünde ich so da, und die anderen würden meine Schönheit bewundern. Dann könnte ich mich selbst wieder leiden.
Dann sieht es eine Giraffe vorbeikommen und denkt: Ach, wenn ich nur einen so schönen, langen Hals hätte, dann könnte ich oben an den Bäumen die Blätter fressen. Die schmecken sicherlich besser als die Blätter hier unten.
Schließlich sieht es einen Löwen vorbeikommen und denkt: Ach hätte ich doch nur eine so wunderbare Mähne wie dieser Löwe. So stolz und königlich sieht er aus. Dann würden die anderen Tiere mich achten und ehren.

Ich weiß nicht, wie es Euch, wie es Ihnen damit geht: mir selbst sind solche Gedanken vertraut: dass ich meine, ich müsste erst dies oder das erreicht haben, bevor ich ein richtiger Mensch sein kann:
erst einmal viele Freunde haben, Erfolg in der Schule, dann beruflich weiterkommen, erst alles einrichten in der Wohnung, erst alles mögliche anschaffen, erst die Kinder groß haben. Und vorher, das ist kein richtiges Leben, nichts jedenfalls, was man genießen könnte.
Weil es da nämlich etwas Unfertiges gibt in meinem Leben oder etwas
Hässliches, wie etwa die Warze beim Warzenschwein.
Auch Gott gegenüber meinen viele: ich muss erst als fertiger,
guter, gerechter Mensch dastehen - und dann erst wird Gott mich
liebhaben. Ich muss Gott gegenüber erst etwas geleistet haben, ich muss Gott sozusagen etwas zu bieten haben und erst dann wird er mich annehmen.

Dem ist aber ganz und gar nicht so:
Denken wir etwa an Jannis‘ Taufspruch. Da heißt es in Psalm 51,14: "Erfreue mich mit deiner Hilfe, und mit einem freudigen Geist rüste mich aus."
Wir dürfen zu Gott kommen, wie wir sind, dürfen mit ihm reden, beten, ihn um Hilfe und sein Dabeisein bitten - und Gott erweist uns seine Liebe, bevor wir darauf antworten können - er erwartet dann allerdings unsere Antwort.

Doch hören wir weiter auf die Geschichte vom Warzenschwein, das unbedingt anders sein will:
Die Wünsche des Warzenschweins gehen in Erfüllung: Es schläft ein, wird wach und ist wunderbar blau. Es hat einen langen Giraffenhals und oben auf dem Giraffenhals einen herrlichen, prächtigen Löwenkopf. So zieht es nun durch die Prärie. Aber in der Prärie fühlt es sich nicht mehr so recht wohl und auch nicht mehr zu Hause. Wer kann es da schon bewundern!
So geht es in die Stadt. Und die Menschen dort, die streiten sich, was es denn nun ist: Guck doch den Kopf an, es ist ein Löwe. Nein, guck den Körper an: es ist ein Schwein. Und wieder andere sagen: bei dem langen Hals, das kann nur eine Giraffe sein.
Bis einer sagt: es ist ein blauer Warzenschwein-Giraffen-Löwe, ein WAGILÖ, ein blaues WAGILÖ.
Unser Wagilö wird mit einer Ehrenkompanie zum Zoo geleitet. Dort wird es in einen Käfig gesteckt und von den Zoobesuchern besonders bewundert, denn ein solches Tier hatten sie ja noch nie gesehen.
Die Erfüllung aller unserer Träume, in denen wir perfekt und fehlerfrei sein wollen, macht nicht glücklich. Und außerdem scheitern wir an diesen Träumen und Wünschen immer wieder, weil wir sie doch nicht erfüllen und verwirklichen können.
Zuletzt kann das so weit gehen, dass wir einsam werden, einsam wie das Wagilö im Käfig. Gefangen vom eigenen Anspruch nach Perfektion, danach, alles richtig zu machen.

Wohl sind unsere Träume wichtig, weil sie Kräfte sind, damit wir uns immer wieder neu auf den Weg machen - so wie das auch Josua getan hat, nachdem ihm Gott seine Nähe und sein Dabeisein versprochen hatte.
Und: Gott wartet auf unsere Antwort auf seine Liebe - und deshalb gilt es sich immer wieder auf den Weg zu machen, die Antwort auf seine Liebe in unserem Leben zu geben.
Aber vor allen Träumen - auch von uns selbst, steht: Wir sind schon von Gott geliebte Menschen, so wie wir sind.
Aber wie geht es weiter mit dem Wagilö?
Es möchte wieder heraus aus dem Käfig, den es sich letztlich ja selbst gebaut hat, möchte wieder frei sein und nicht so allein. Es gelingt ihm auch, auszureißen. Und es macht sich auf zu seinem alten Pfuhl. Dort sieht es seine alten Freunde wieder.
Es denkt: ach, wenn ich doch nur wieder bei ihnen leben könnte. Aber mit meinem Hals und meinem Kopf, mit meiner Farbe? So wünscht es sich nichts sehnlicher, als wieder es selbst zu sein, ein Warzen-schwein in einem Pfuhl zusammen mit anderen. Es schläft ein und wacht auf, und siehe da, es ist wie vorher. Und dann geht es zu den anderen und hat viel zu erzählen.
Offensichtlich macht es dem Wagilö jetzt nichts mehr aus, eine Warze im Gesicht zu haben. Offensichtlich macht es ihm nichts mehr aus, wie die anderen aussehen. Es hat sich selbst und die anderen angenommen, so wie sie sind. Und es hat damit getan, was Gott in Jesus Christus auch mit uns getan hat: er hat uns angenommen, so wie wir sind.
Wir brauchen nicht erst stark zu sein wie ein Löwe, wir müssen nicht erst einen Weitblick haben wie eine Giraffe, wir brauchen nicht fehlerfreie Menschen zu sein, um Gottes geliebte Kinder zu sein.
Wir taufen ja heute nicht irgend jemanden. Wir taufen Hanna und Jannis. Es hat noch nie auf der Welt solche Menschen wie euch gegeben und es wird auch nie mehr jemanden geben, der ist wie jeder einzelne von euch. Es mag sein, dass es jemanden gibt, der die Haare gleich trägt oder eine ähnliche Stimme hat. Aber ihr seid einmalig.

Es mag Menschen geben, die die gleichen Hobbys wie ihr haben oder ganz ähnlich aussehen. Aber ihr seid einmalig. Mit euren Stärken und Schwächen.
So wie ihr seid, dürft ihr und dürfen wir alle zu Gott kommen mit allem, was uns froh macht, aber auch mit dem, was uns traurig macht.
Diese Zusagen Gottes können aber auch Sie, die Eltern, die Paten, die Menschen, die mit Hanna und Jannis zu tun haben, von dem Gedanken befreien, Sie müssten immer und überall alleine für diese Kinder sorgen.
Diese Zusagen Gottes wollen Sie ermutigen, gelöst an diese Aufgaben der Lebensbegleitung heranzugehen: Sie stehen nicht alleine da.
Auch Sie dürfen sich dem Gott anvertrauen, der uns einlädt, unsere Sorgen mit ihm zu teilen, unsere Sorgen ihm anzuvertrauen:
„Erfreue mich mit deiner Hilfe, und mit einem freudigen Geist rüste mich aus."
Sie dürfen seine Liebe weitergeben an Ihre Kinder.
Meine Bitte an Sie: nutzen Sie die Chance, unseren Täuflingen zu helfen, diesen Gott zu erkennen, der uns Vater, Freund und Lebensbegleiter sein will.
Sie können dies durch alles hindurch, was Sie mit unseren Täuflingen tun: vom zärtlichen An-sich-Drücken über die erzählte Geschichte von Jesus bis hin zum Gebet für ihre Kinder oder mit ihren Kindern. Sie können es am nachhaltigsten tun durch das, was Sie Ihren Kindern vorleben.
Dabei wünsche ich Ihnen und Ihren Kindern, dass sie die Nähe und Liebe Gottes, seine Begleitung immer wieder neu in ihrem Leben erfahren und dass Sie immer wieder erleben:

Jeder Mensch ist ein einzigartiger Gedanke Gottes und ein von ihm geliebter Mensch. Amen

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