Nazareth
Nazareth,
die größte Gemeinde arabischer Israelis, liegt oberhalb der
Jesreel-Ebene am Südrand der Berge Galiläas. Seine Einwohner
sind meist Christen.
Als der Ort, an dem der Erzengel Gabriel Maria die Geburt Jesu verkündigte
und Jesus den größten Teil seines Lebens verbrachte, ist
Nazareth seit anderthalb Jahrtausenden ein christlicher Wallfahrtsort.
Nazareth, im Alten Testament nicht genannt, war in vorchristlicher Zeit
wohl ein unbedeutendes Dorf. Doch haben Ausgrabungen seit 1955 gezeigt,
dass der Hügel von Verkündigungs- und Josefskirche seit der
Patriarchenzeit (2. Jtsd. v. Chr.) bewohnt war. Man fand Gräber
aus dem 2. Jtsd. und unterirdische Räume in den Tuffsteinfelsen,
die in der ersten Hälfte des 1. Jtsd. v. Chr. als Vorratsräume
dienten; über ihnen standen die kleinen Wohnhäuser.
Der Name Nazareth ist erstmals im Neuen Testament erwähnt, bei
der Schilderung der Verkündigung (Lukas 1,26-33).
Jesus lebte hier bis nach seiner Taufe durch Johannes (Lukas 3,21);
hielt sich zu Beginn seiner öffentlichen Wirksamkeit jedoch meist
in der Gegend von Kapernaum auf.
Die Verkündigungsgrotte wurde in der Folgezeit zum Ort der Verehrung.
Die heutige Kirche ist die fünfte an derselben Stelle.
Christen siedelten sich früh in dem Ort an.
Im Jahr 614 eroberten die Perser die Stadt und zerstörten sie gemeinsam
mit den Juden, was einen Rückgang des christlichen Bevölkerungsanteils
zur Folge hatte. Bei der Rückeroberung 629 rächten sich die
Byzantiner und zerstörten ihrerseits die jüdischen Häuser.
Der Wiederaufbau erfolgte er st unter dem Kreuzfahrer Tancred, der Nazareth
1099 einnahm und dann als Fürst von Galiläa beherrschte. Neue
Zerstörungen wurden 1263 durch Baibars und seine Mamelucken verursacht.
Erst Jahrhunderte später, als der Drusenherrscher Fahrreddin 1620
seine Zustimmung gab, konnten wieder Christen in dem Ort wohnen.
Die Aufwärtsentwicklung der Stadt setzte sich im 19. und 20. Jh.
unter osmanischer und britischer Herrschaft fort.
1948 kam Nazareth an Israel, und seitdem hat sich auf den Höhen
oberhalb der Stadt der jüdisch besiedelte Ort Ober-Nazareth (Nazareth
Illit) mit eigener Verwaltung entwickelt.
Zahlreiche
Kirchen, unter ihnen besonders die Verkündigungskirche mit ihrer
37 m hohen Kuppel, bestimmen das Stadtbild von Nazareth. Dennoch wird
kaum jemand die Stadt als schön erleben: Die Kirchen stehen in
verkehrsreichen, häufig völlig überlasteten Straßen
und zwischen in Schnellbauweise errichteten einfachen Häusern,
Grünanlagen und hübsch gestaltete Plätze fehlen fast
ganz.
Die
Verehrung der Verkündigungsgrotte (Lukas 1,26-33) geht bis ins
3. Jh. zurück. Damals errichteten in Nazareth lebende Judenchristen
eine bescheidene erste Kirche nach dem Muster der damaligen Synagogen
(Synagogenkirche).
Die zweite Kirche, ein kleiner Bau mit runder Apsis und vorgelagertem
Atrium, entstand im 4. jh. im Auftrag der Kaiserin Helena, errichtet
von dem konvertierten Juden Joseph aus Tiberias.
Die dritte Kirche wurde im frühen 12. Jh. durch Tancred, den Kreuzfahrer
und Fürsten von Galiläa errichtet, und zwar in erheblich größeren
AUsmessungen. Es war eine dreischiffige Basilika, 30 m breit, 75 m lang.
Sie stand bis 1263, als Baibars sie zerstörte und lediglich die
Grotte verschonte.
Erst 1730 konnten die Franziskaner eine neue, die vierte Kirche, bauen.
Sie stand nicht mehr in Ost-West- sondern in Nord-Süd-richtung,
wodurch der Chorraum seinen Platz über der Grotte erhielt.
Das Gebäude wurde 1955 abgerissen, um einem Neubau Platz zu machen,
dem größten Sakralbau der letzten Jahrzehnte in Israel. Diese
fünfte Kirche, am 23. März 1969 durch den Kardinal Garrone
geweiht, ist der bedeutendste moderne Kirchenbau in Israel.
Der
italienische Architekt Giovanni Muzio ging beim Entwurf der Kirche von
zwei Grundideen aus:
Er wollte die Geschichte des Ortes von Anbeginn an sichtbar machen und
die Katholizität der römischen Weltkirche darstellen:
Die Unterkirche verdeutlicht mit ihrem Blick in die tieferen, älteren
Schichten des Bauwerkes die historische Kontinuität, die Oberkirche
macht durch ihre Bildausstattung das Weltumspannende der Kirche sichtbar.
An der Ausschmückung haben Künstler aus der ganzen Welt mitgearbeitet.
Ca.
1,5 km nordöstlich der Verkündigungskirche steht nahe der
Hauptstraße nach Tiberias der Marienbrunnen.
Die orthodoxe Überlieferung stützt sich auf ein apokryphes
Evangelium, dem zufolge der Erzengel Gabriel der Maria zuerst am Dorfbrunnen
erschienen ist. Der danach benannte Marienbrunnen ist modern und steht
nicht genau an der Stelle des alten Brunnens.
Dieser befindet sich vielmehr unter dem Altar der unweit nördlich
stehenden griechisch-orthodoxen Gabrielskirche, die auch wegen der Architektur-Ornamentik
einen Besuch lohnt.
