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Kapernaum

Wir fahren mit dem Boot über den See Genezareth nach Kapernaum, wo wir die Reste der Synagoge und das „Petrushaus“ besichtigen.
Der See Genezareth, hebräisch Yam Kinneret, auch das Galiläische Meer genannt, liegt im Jordantal 210 m unter dem Meeresspiegel, ist 12 km breit und 21 km lang, umfasst 170 km2 und ist bis zu 46 m tief.
Für den Staat Israel bildet er das größte Wasserreservoir. Eine Leitung bringt Seewasser in verschiedene Sammelbecken und führt es bis in den Negev.
Wichtige Einnahmequelle für die rund um den see ansässigen Israeliten ist der Tourismus, der sich vorwiegend auf das Nord- und Westufer des Sees konzentriert. Eine gewisse Bedeutung hat daneben nach wie vor die Fischerei; als Spezialität der Gegend wird in allen Restaurants am See St. Petersfisch (Petrusfisch) angeboten, eine Buntbarschart.


Im Alten Testament wird der See Kinneret erwähnt, als das Volk Israel nach Kanaan kommt und die künftigen Landesgrenzen und Wohngebiete der einzelnen Stämme festgelegt werden (4. Mo 43,11; Jos 13,27).
Im Neuen Testament wird er häufig genannt, denn Jesus fand seine ersten Jünger in KApernaum am Nordufer, wo er sich meist aufhielt, nachdem er Nazareth verlassen hatte.
Besonders bekannt ist die Erzählung von Jesus un dem in einen Sturm geratenen Petrus (Mt 14,22ff; Mk 6,45ff).

Die den See umgebende Landschaft gehört sicher zu den schönsten Israels. Hierzu trägt die üppige subtropische Vegetation bei.

Mit dem Boot werden wir über den See Genezareth nach Kapernaum fahren.

Kapernaum (hebr. Kefar Nahum - Dorf des Nahum) am Nordufer des Sees Genezareth ist eng mit dem Wirken Jesu verbunden, der nachdem er seine Heimatstadt Nazareth verlassen hatte, meist in diesem Fischerort und seiner Umgebung lehrte.
Seit 1894 gibt es hier ein Franziskanerkloster, dessen Mönche zusammen mit mehreren Archäologen die alte Stadt erforscht und zur Wiedererrichtung zweier bedeutender Gebäude, des Hauses des Petrus und der Synagoge, beigetragen haben.


Jesus verließ Nazareth und „wohnte in Kapernaum, das am See im Gebiet von Sebulon und Naphtali liegt“ (Mt 4,13). Hier berief er seine ersten Jünger, die alle Fischer waren: Simon Petrus und Andreas, Jakobus und Johannes (Mt 4,18-22). Jesus predigte in der Synagoge, wo er einen Besessenen heilte (Mk 1,32), auch heilte er Gelähmte und Verkrüppelte (Mt 15,29-31), den Knecht des Hauptmanns von Kapernaum (Lk 7,5-10) und erweckte die zwölfjährige Tochter des Synagogenvorstehers Jairus vom Tode (Mk 5,21-43).
In der Umgebung von Kapernaum speiste er die 5000 mit fünf Broten und zwei Fischen (Mt 14,13ff) und bei anderer Gelegenheit die 4000 mit sieben Broten und Fischen (Mt 15,32ff).
In Kapernaum formulierte er seine Lehre in Gleichnissen vom Sämann, vom Unkraut unter dem Weizen, vom Senfkorn, vom Sauerteig, vom Schatz im Acker, vom Fischernetz u.a. (Mt 13), vor allem aber in der Bergpredigt, die er auf einem nahen Berg hielt (Mt 5-7).

Münzfunde legen nahe, dass der im Alten Testament nicht erwähnte Ort im 2. Jtsd. v. Chr. entstanden ist.
Kapernaum war eine kleine unbefestigte Stadt, die sich an den Aufständen gegen Rom im 1. und 2. Jh. nicht beteiligte und daher damals auch keine größeren Zerstörungen erlitt. In der Folgezeit wurde sie größer. Hatte der Ort sich ursprünglich zwischen Synagoge und See erstreckt, so kamen im 4. Jh. neue Veirtel östlich und nördlich der Synagoge hinzu.
Für den Wohlstand der Bewohner spricht, dass die Synagoge nicht aus dem hier vorkommenden schwarzen Basalt erbaut wurde, sondern aus Kalkstein, der herbeitransportiert werden musste.
Südlich der Synagoge erstand um 450 über älteren Wohnhäusern eine Achteckkirche zum Gedenken an Petrus, der an dieser Stelle gewohnt hatte.
Nach dem islamischen Einbruch des 7. Jh’s ging das städtische Leben zurück.
Der Pilger Buchardus notiert im 13. Jh.: „Die einst berühmte Stadt Kapernaum bietet heute einen traurigen Anblick. Sie zählt nur sieben arme Fischerhütten.“
Eine neue Entwicklung setzte ein, als der Amerikaner Robinson den Ort 1838 identifizierte. Seitdem wird eifrig ausgegraben!

In Kapernaum werden wir das Petrus-Oktogon besichtigen, das seit einigen Jahren durch ein Betondach vor Witterungseinflüssen geschützt werden soll.
Es steht über Wohnhäusern, die jeweils in Vierecken zusammengefasst sind. Die ältesten Häuser konnten ins 1. Jh. v. Chr. datiert werden. Sie waren ärmlich - enge Räume um kleine Höfe mit Feuerstellen - und gehörten wohl Fischern.
Eines der Häuser wurde in der Folgezeit mindestens dreimal neu verputzt.
Auf den Putzresten stellte man 131 Inschriften fest, in denen die Namen von Jesus Christus und von Petrus mehrfach erschienen, so dass man vermuten kann, dass das Haus bereits im ausgehenden 1. Jh. sakralen Charakter hatte - als das Haus des Apostels Petrus.
Um 350 erhielt es eine Umfassungsmauer und eine durch einen Bogen getragene neue Decke.
Die spanische Pilgerin Aetheria notierte im ausgehenden 4. Jh., dass das Haus des Fürsten der Apostel in Kapernaum eine Kirche wurde und dass seine Wände dabei unverändert blieben - es handelt sich um ein gottesdienstlich genutztes Privathaus.
Um 450 führte man über diesem Gebäude eine Achteckkirche auf. Das Bodenmosaik zeigt in der Mitte einen Pfau als Symbol der Unsterblichkeit, die halbrunde Apsis im Osten diente zum Taufen.

Ganz in der Nähe finden wir die Synagoge.
Über einige Stufen betritt man eine offene Vorhalle, von der sich drei Türen in die Schiffe öffnen, zwei weitere in den östlich sich anschließenden Hof.
An der Mitteltür sind jetzt wieder Konsolen mit Palmbäumen angebracht. Im Inneren trennen Säulenstellungen die drei SSchiffe und umlaufen sie an der Rückseite.
An der linken Wand sind Sitzstufen zu erkennen. An einer der korinthischen Säulen der Rückseite ist eine griechische Inschrift angebracht: „Herodes, Sohn von Monimos, und Justus, sein Sohn, mit ihren Kindern errichteten diese Säule.“
Vermutlich hatte die Synagoge eine Frauenempore. Eine Toranische ist nicht vorhanden. Die Tora muss jeweils an der nach Jerusalem ausgerichteten Süd-, d.h. Eingangsseite, zum Gottesdienst aufgestellt worden sein.
Im Osten schließt sich der Hof an, der von der Synagoge wie von der Vorhalle aus zugänglich war.
Der Bau dürfte in die Zeit kurz nach 400 zu datieren sein.
Während man im älteren Niveau des Petrus-Oktagons wohl die Räume sehen darf, in denen Jesus sich aufhielt und die Schwiegermutter des Petrus heilte (Mt 8,14ff; Mk 1,29ff; Lk 4,38ff), handelt es sich bei der Synagoge um einen späteren Bau.
Man hat aber unter dieser Synagoge einen weiteren Bau gefunden, der vielleicht die Synagoge sein könnte, in der Jesus „mit Vollmacht lehrte und nicht so wie die Schriftgelehrten“ (Mt 12,9ff; Mk 1,21) - ob dem so ist, müssen aber weitere Ausgrabungen zeigen.

Wir werden anschließend auf den Berg der Seligpreisungen gelangen.
Am Nordufer des See Genezareth steigt oberhalb der Ruinen von Tabgha und Kapernaum dieser Berg an, die traditionelle Stätte der Bergpredigt Jesu.

Seit früher Zeit wird der Ort, an dem Jesus seine Bergpredigt hielt, an diesem Berg gesehen. Oben auf ihm steht die Kirche der Seligpreisungen, erbaut aus lokalem Basalt; weißer Nazarethstein wurde für die Bögen und römischer Travertin für die Säulen verwandt.
Von dem Säulenumgang bietet sich ein prächtiger Ausblick auf den See Genezareth.
Die acht Seiten der Kirche sind, wie lateinische Inschriften im Inneren zeigen, je einer der Seligpreisungen gewidmet, die Jesus am Anfang der Bergpredigt über die geistlich Armen, die Leidtragenden, ... aussprach (Mt 5,3ff).
Die Kuppel dagegen symbolisiert die neunte Seligpreisung (Mt 5,11f), mit der Jesus sich direkt an die um seinetwillen Verfolgten wandte: „Es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden!“

Vom Berg der Seligpreisungen gehen wir hinunter zur Primatskirche und zur Benediktinerkirche in Tabgha.

Tabgha, der ‘Ort der sieben Quellen’, hebräisch En Sheva, bezeichnet die wasserreiche Stelle, an der nach der Überlieferung die wunderbare Brotvermehrung durch Jesus stattgefunden hat (Mk 8,1ff).
Die erste Kirche an diesem Ort, ein einschiffiger Bau von 15,5 mal 9,5 m, stammt aus dem 4. Jh. Im 5. Jh. wurde sie durch eine größere, dreischiffige kreuzförmige Säulenbasilika ersetzt.
Am 23. Mai 1982 wurde die dritte Brotvermehrungskirche in Tabgha geweiht.

Diese neue Brotvermehrungskirche, in byzantinischem Stil, wurde nach Entwürfen der Kölner Architekten Anton Goergen und Fritz Baumann errichtet.
Die Mosaiken im Mittel- und linken Seitenschiff zeigen einfache geometrische Muster. Kunstvoller sind die in den fünf Säulenzwischenräumen, wo man unterschiedliche Vogeldarstellungen (Gänse, Reiher , ...) sieht. Die interessantesten Mosaiken zieren die Querhausarme, deren linker fast vollständig erhalten ist. Der offenbar mit dem Nildelta wohlvertraute Künstler hat hier Fauna und Flora dieser Gegend abgebildet: Flamingos, Schlangen, Reiher und Enten mit Lotosblüten, Schilf und anderes.
Die nur teilweise erhaltenen Mosaiken im rechten Seitenschiff zeigen außer solchen Motiven auch einen Nilometer, mit der Wasserstand des Stromes kontrolliert wurde.
Im Presbyterium erhebt sich der Altar über jenem Stein, auf dem nach der Überlieferung Jesus bei der Brotvermehrung stand.
Davor befindet sich ein Mosaik, das den Korb mit den Broten und die Fische darstellt.

Zum Gelände von Tabgha gehört noch ein weiterer, östlich angrenzender Bezirk, am Ufer des Sees Genezareth, wo sich die Primatskapelle oder Peterskirche erhebt.
Im 4. Jh. erbaut und 1263 zerstört, wurde sie 1933 von den Franziskanern mit schwarzem BAsalt neu errichtet. Der schlichte, einschiffige Raum erinnert an die Erscheinung des Auferstandenen vor den Jüngern hier am Seeufer, bei der Jesus dem Petrus mit der dreimaligen Weisung „Weide meine Lämmer!“ nach alter Auffassung den Primat über die Kirche übertrug (Joh 21,15f.).
Der Felsen im Ostteil der Kapelle gilt als der Tisch, an dem Jesus mit seinen Jüngern das Mahl hielt.
Die in den See gehenden Felsstufen vor der Südseite erklärte schon die spanische Pilgerin Ätheria um 400 als „diejenigen, auf denen der Herr stand“.

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