Jerusalem
- Geschichte
Jerusalem
- Yerushalayim - el-Quds, die Heilige Stadt ist - mit längeren
Unterbrechungen - seit 3000 Jahren die Hauptstadt Israels.
Sie ist die Tempelstadt Davids und Salomos, die Stätte der Passion
und Auferstehung Jesu und der Ort, von dem aus Mohammed seine Himmelsreise
antrat.
Sie birgt die heiligen Stätten dreier Religionen: die Klagemauer
(Westmauer) der Juden, die Grabeskirche der Christen und den Felsendom
der Moslems.
Heute hat Jerusalem über 500.000 Einwohner, davon ca. 400.000 Juden,
130.000 Moslems und 25.000 Christen.
"Deiner Herkunft und deiner Geburt nach stammst du aus dem Land
der Kanaaniter. Dein Vater war ein Amoriter, deine Mutter eine Hetiterin!",
das sagte Gott zu Jerusalem (Hes 16,3). Hesekiel (6. Jh. v. Chr.) wußte
wohl noch um die historischen Ursprünge Jerusalems.
Die bisher frühesten Siedlungsspuren fand man auf dem Ofel südlich
der heutigen Altstadt, zwischen dem Tyropöontal und dem Kidrontal.
Hier hatte sich im 4. Jtsd. v. Chr. eine semitische Bevölkerung
niedergelassen, die in den Tälern Ackerbau betrieb und über
die Gihonquelle am Osthang des Ofel verfügte.
Auf Tontafeln aus Nordsyrien (Ebla) aus der frühen Bronzezeit (2400-2150
v. Chr.) las man zum ersten Mal in sumerischer Keilschrift den Namen
Urusalim. Uru bedeutet Stadt, Salim Heil.
Jerusalem war also schon vor mehr als 4000 Jahren die Stadt des Heils,
die Heilige Stadt.
Im 20. oder 19. Jh. v. Chr. lösten die Amoriter (Amurru), die vom
Zweistromland aus eingedrungen waren und sich auch Kanaaniter nannten,
die Urbevölkerung Jerusalems ab. Sie wehrten sich gegen ägyptische
Einflüsse und wurden deshalb geächtet. Mit den Amoritern kam
wahrscheinlich auch Abraham ins Land und auch nach Jerusalem (Gen 14,18).
Im 17. Jh. v. Chr. erschienen die Hyksos; später kam Palästina
dann wieder unter ägyptische Herrschaft, der Stadtkönig Jerusalems
war Vasall der Pharaonen. Religiöse Reformen des Pharaos Echnaton
(1364-1347) führten zu einer Staatskrise der Ägypter und die
Vasallenkönige fingen an, sich zu bekriegen, um ihre Territorien
zu erweitern. Gleichzeitig verunsicherten die Habiru (israel. Nomadenstämme)
das Land.
Bei der Landnahme der Israeliten im 12. Jh. lag Jerusalem genau zwischen
den Stammesgebieten Juda und Benjamin (Jos 15,8) und keiner der beiden
Stämme konnte Jerusalem erobern. Die Israeliten nannten die Stadt
Jebus und ihre Bewohner Jebusiter (Ri 19,10).
Nachdem es David 1004 v. Chr. gelungen war, die Herrschaft der Philister
abzuschütteln, und Eschbaal, der König des Nordreiches ermordet
worden war, ließ David sich zum König salben. Gegen 998 konnte
er Jerusalem einnehmen. Er erklärte die Stadt zu seinem persönlichen
Besitz und erhob sie unter dem Namen Jeruschalajim zur Hauptstadt und
bald daruf zum religiösen Mittelpunkt der israelitischen Amphiktyonie
(Bund der einzelnen Stämme).
Die Stadt Davids lag am Osthang des Ofel. König Salomo (968-930)
erweiterte sie nach Norden hin, wo er auf dem Berg Moria seinen Palast
und den Tempel errichtete. Er umgab die Stadt mit einer Mauer. Hohe
Kosten bedingten hohe Steuern - so kam es zu einer Rebellion und nach
seinem Tode zum Auseinanderbrechen des Reiches. Jerusalem war nur noch
Hauptstadt des Südreiches Juda und in ständige Grenzkämpfe
mit dem Nordreich Israel verwickelt.
König Atalja (844-839) führte im Tempel den Baalskult ein,
unter König Ahas (736-726) wurden daneben assyrische Götter
verehrt. Sein Sohn Hiskia erneuerte den Jahweglauben und sicherte die
Stadt durch neue Mauern und ein Wasserversorgungssystem.
198 v. Chr. wurden die Seleukiden als Befreier begrüßt, doch
als deren kostspielige Kriege zu hohen Steuern führten und Antiochus
IV. sogar den Tempel entweihte, kam es 167 v. Chr. zum Aufstand. Antiochus´
Heerführer Apollonios schlug die Revolte blutig nieder, äscherte
Jerusalem ein und führte Frauen und Kinder in die Sklaverei. Dann
baute er die Akra, einen stark befestigten Stadtteil für die hellenistische
Bevölkerung Jerusalems. Antiochus verbot den jüdischen Kult
und wandelte den Tempel in ein Zeusheiligtum um.
Judas Makkabäus organisierte den Widerstand gegen die Seleukiden.
165 v. Chr. zog er in Jerusalem ein, belagerte die Akra und gab den
Tempel dem jüdischen Gottesdienst wieder. Das Fest der Tempelweihe
(Chanukka = Fest der Lichter) wird noch heute gefeiert.
69 v. Chr. übernahmen die Römer das zusammengebrochene Seleukidenreich.
63 v. Chr. öffneten die Jerusalemer den Truppen des Pompeujus die
Tore, den Tempelberg bezwangen die Römer aber erst nach dreimonatiger
Belagerung.
37 v. Chr. marschierte Herodes der Große mit Hilfe römischer
Truppen in Jerusalem ein. Die Legionäre wüteten so sehr, dass
Herodes selbst sie durch Geschenke zum Abzug bewegen mußte. Bald
darauf bestieg er in Jerusalem den Königsthron.
Er erweiterte den Tempelplatz, baute einen neuen Tempel, errichtete
am heutigen Jaffator eine Palastburg.
Herodes Agrippa I. (41-44) erweiterte die Stadt nach Norden hin und
schuf die sog. "Dritte Mauer".
Im Mai 66 brach in Jerusalem der erste jüdische Aufstand gegen
Rom aus. Im Frühjahr 70 kam Titus mit 4 Legionen und unzähligen
Belagerungsmaschinen. Er brauchte bald ein halbes Jahr, bis er den Tempelberg
erstürmte. Jerusalem wurde vollständig zerstört.
130 besucht Hadrian Jerusalem und ordnet den Wiederaufbau an. Den Platz
des zerstörten Tempels nahm jetzt ein Jupiterheiligtum ein. 132
brach der zweite Aufstand gegen Rom aus, den die Römer bis 135
niederschlugen. Jerusalem wurde zur Colonia Aelia Capitolina, deren
Betreten den Juden bei Todesstrafe verboten war.
Unter Konstantin dem Gr. (ab 324 n. Chr.), der das Christentum als Staatsreligion
einführte, wurde Jerusalem ein christliche Stadt. Seine Mutter
Helena, die Kaiserin Eudokia und Kaiser Justinian (527-565) förderten
den Bau von Kirchen.
614 erschienen Perser vor den Toren Jerusalems, belagerten es 21 Tage
und richteten dann gemeinsam mit den jüdischen Bewohnern unter
der christlichen Bevölkerung ein entsetzliches Blutbad an: 26.500
Christen wurden getötet, 35.000 kamen in die Sklaverei, sämtliche
Kirchen gingen in Flammen auf.
Bald schon änderten die Perser ihre Politik: die Christen durften
nach Jerusalem zurück, die Juden wurden aus der Stadt gewiesen.
627 besiegte Kaiser Herakleios die Perser, Jerusalem stand wieder unter
byzantinischem Einfluß. 638 fiel Jerusalem nach einjähriger
Belagerung durch die Truppen des Kalifen Omar I. Die Moslems nannten
die Stadt el-Quds, die Heilige.
Der Kalif Abd el-Malik (685-705) erbaute an der Stelle des Tempels die
Qubbet es Sakhra (Felsendom). 1009 befahl Kalif Hakim, die Grabeskirche
zu zerstören, und beschlagnahmte das Eigentum der Christen.
1046 gestatteten die Fatimiden dem byzantinischen Kaiser Konstantin
IX. jedoch, das Heiligtum wieder aufzubauen.
Im 11. Jh. lebten in Jerusalem mehr Christen als Moslems.
1071 drangen seldschukische Türken bis Palästina vor und besetzten
kampflos Jerusalem - der Pilgerstrom versiegte! Um das Heilige Land
wieder für Wallfahrer zu öffnen, rief Papst Urban 1095 zum
Kreuzzug auf.
Am 14. Juli 1099 stürmte das christliche Heer unter Gottfried von
Bouillon die Stadt - fast alle moslemischen und jüdischen Bürger
wurden ermordet.
Saladin besiegte das Kreuzfahrerheer, nach der Schlacht bei Hattin ergab
sich am 2. Oktober 1187 auch Jerusalem.
Saladin schonte die Kirchen und gewährte schon wenige Tage nach
der Einnahme der Stadt christlichen Pilgern den Besuch der Grabeskirche.
1191 und 1192 versuchte Richard Löwenherz vergeblich, nach Jerusalem
vorzustoßen. Schließlich musste er sich damit zufrieden
geben, dass Saladin ihm freien Zutritt zu den heiligen Stätten
gewährte.
1229 schloss Kaiser Friedrich II. mit Sultan el-Kamil einen Vertrag,
wonach Jerusalem und Bethlehem mit einem Korridor nach Jaffa zum christlichen
Königreich kamen.
17. März 1229: Friedrich zieht in der heiligen Stadt ein und setzt
sich in der Grabeskirche selbst die Krone des Königs von Jerusalem
auf den Kopf.
1243 gelingt es den Tempelrittern sogar durch geschickte Verhandlungen,
den Tempelberg zurückzubekommen.
Am 11. Juli 1244 durchbrachen 10.000 Türken die schwache Verteidigungsanlage
der Stadt, die Christen übergaben die Zitadelle, nachdem ihnen
freies Geleit zugesagt worden war. Aber von 6.000 Christen erreichten
nur 300 die Küste, alle anderen wurden niedergemacht. Die Grabeskirche
wurde in Brand gesteckt. Ab jetzt stand Jerusalem unter der Herrschaft
der Moslems.
Unter den Mameluckenkalifen diente Jerusalem als Verbannungsort für
in Ungnade gefallene Emire, die die Stadt mit prächtigen Gebäuden
schmückten.
Vom 13. Jh. an ließen sich immer mehr Juden in der Altstadt nieder.
1335 kehrten auch die Franziskaner wieder nach Jerusalem zurück,
errichteten auf dem Zionsberg ein Kloster und durften in der Grabeskirche
Gottesdienste halten.
1517
entriss der türkische Sultan Selim I. den Mamelucken Jerusalem
und ganz Palästina. Sein Sohn Süleymann II., der Prächtige,
erneuerte die Stadtmauer und stiftete herrliche Bauwerke. 1847 stellte
Papst Pius IX. das Lateinische Patriarchat in Jerusalem wieder her.
1855 gründete Sir Montefiore die erste jüdische Siedlung außerhalb
der Altstadtmauer, 1891 wurde die Bahnlinie nach Jaffa eröffnet.
1893 zählte Jerusalem 58.000 Einwohner, davon 28.000 Juden, 16.000
Christen und 14.000 Moslems.
Am 11. Dez. 1917 rückten die Engländer unter General Allenby
in Jerusalem ein.
Ab 1920 residierte hier der britische Hochkommissar für das Mandatsgebiet
Palästina.
Am 14. Mai 1948 gaben die Briten das Mandat zurück. In den daraufhin
einsetzenden Kämpfen zwischen Israel und Jordanien konnte keine
Partei Jerusalem für sich gewinnen. Das Waffenstillstandsabkommen
vom 15. Jan. 1949 sah daher eine Teilung der Stadt vor: Westjerusalem
fiel an Israel, Ostjerusalem einschließlich der Altstadt an Jordanien.
Ein breiter Streifen Niemandsland markierte die Demarkationslinie. Die
einzige Verbindung stellte das Mandelbaumtor dar.
Im Sechstagekrieg des Jahres 1967 besetzten die Israeliten Ostjerusalem
und erklärten 1980 das wiedervereinigte Jerusalem zur ewigen Hauptstadt
Israels.
