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Bet Shean

Bet Shean liegt ca. 115 m ü. d. M. und hat etwa 15.000 Einwohner.
Es ist eine sehr alte Stadt im Norden Palästinas, wo die Jesreelebene zum Jordan hin abfällt und liegt inmitten einer ungewöhnlich fruchtbaren Landschaft mit zahlreichen Seen.

Am Nordrand der modernen Kleinstadt erhebt sich der kahle, schroff ansteigende Tell el-Husn, von dem aus die Ägypter, Kanaaniter und Philister einst den Zugang von der Jesreelebene zum Jordan und die uralte Karawanenstraße entlang des Flusses beherrschten.

Der Talmud schreibt: Falls der Garten Eden im Land Israel ist, dann ist sein Tor in Bet Shean.

Bedeutend wurde Bet Shean (Tempel des Gottes Schahan; mesopotamischer Schlangengott, den die Kanaaniter verehrten) wohl erst in der Späten Bronzezeit (1550-1200).

Nach der Eroberung Kanaans im 15. Jh. v. Chr. baute Thutmosis III. die Stadt zur Festung aus - strategische Bedeutung am Ausgang des Harod-Tales, das die Jesreelebene mit der Jordansenke verbindet.

In den Tempeln finden sich einzigartige Verschmelzungen kanaanäischer und ägyptischer Stilelemente.

Fast alle großen Pharaonen verewigten sich in der Stadt durch den Bau großer Tempel. Bald aber ließ der ägyptische Einfluß nach und Bet Shean wurde zu einer rein kanaanitischen Stadt.

Bei der Landnahme durch die Israeliten kam Bet Shean zum Stamm Issaschar, später zum Stamm Manasse (Jos 17,11). Die Israeliten konnten die Kanaanäer nicht von hier vertreiben. (Jos 17,16).

Im 11. Jh. v. Chr. übernahmen die Philister die Herrschaft, unterwarfen fast ganz Kanaan bis zur Jesreelebene und eroberten auch Bet Shean.

Um 1020 v. Chr. begann Saul seinen Kleinkrieg gegen die Besatzer und 1004 kam es in der Jesreelebene beim Berg Gilboa zum Zusammenstoß mit dem sehr gut geschulten Söldnerheer der Philister. Die Israeliten wurden vernichtend geschlagen, Saul und Jonatans Leichen wurden an den Mauern Bet Sheans befestigt, bis die Bewohner Jabeschs sie holten.

David vertrieb dann die Philister und schuf ein starkes Israel, aber in Bet Shean und anderen Städten blieben sie weiter ihre eigenen Herren.

Das änderte sich erst unter Salomo, der Bet Shean mit Megiddo und anderen Orten dieser Gegend zu einem Verwaltungsbezirk zusammenfasste.

Bet Shean gehörte zu den letzten Städten, die Israel unter seine Herrschaft stellte.

In der Zeit des Nordreiches war Bet Shean nur noch ein unbedeutendes Dorf, ebenso unter den Assyrern, Babyloniern und Persern.

Im 8. Jh. v. Chr. wurde Bet Shean aus unbekannter Ursache verlassen.

In hellenistischer Zeit erwachte Bet Shean unter dem Namen Skythopolis zu neuem Leben. Die Skythen, ein kriegerisches Nomadenvolk iranischen Ursprungs, gründeten um 700 v. Chr. im Don-Donau-Raum ein mächtiges Reich, das rund 500 Jahre lang bestand.

Um 626 v. Chr. drangen sie, während das assyrische Weltreich verfiel, nach Palästina vor und bedrohten Ägypten. Allerdings wurden sie durch Geschenke Pharao Psammetich I. zur Umkehr bewegt. Dennoch bleiben einige im Land, die vielleicht im 3. Jh. vor Chr. Skythopolis gründeten.

Als Judas Makkabäus 163 v. Chr. die Seleukidenstützpunkte in Palästina angriff, kam er auch nach Skythopolis, ließ es aber unbehelligt, weil die heidnische Bevölkerung gute Kontakte zu jüdischen Gemeinden pflegte (2. Makk 12,29).

Im ausgehenden 2. Jh. v. Chr. wurde Skythopolis von Johannes Hyrkanos I. erobert, 63 v. Chr. kamen die Römer, und Pompejus faßte es mit 9 anderen Städten zur Dekapolis zusammen, einem von Rom abhängigen, nach innen freien Zehnstädtebund, der als Gegengewicht zum hasmonäischen und nabatäischen Reich fungieren sollte. Skythopolis war die einzige Stadt der Dekapolis am Westufer des Jordan.

Im 1. Jh. n. war Skythopolis die größte Stadt des Bundes, zeitweise dessen Hauptstadt. Eine rund 5 km lange Mauer umgab den Ort, eine hochentwickelte Landwirtschaft im wasserreichen Umland und eine blühende Textilindustrie brachten großen Wohlstand.

Der Teil der alten Stadt ist in der Nähe des heutigen Besan.

Im Neuen Testament wird B. S. nicht erwähnt (evtl. Lk. 11,17ff?).

639, mit der islamischen Eroberung, endete diese Epoche, kurz danach wurde die Stadt durch ein Erdbeben zerstört und verlassen.

In der Kreuzfahrerzeit war die Stadt bewohnt, aber die Franken verlegten den Bischofssitz in das größere Nazareth.

1183: Eroberung durch Saladin. Jetzt lebte hier wieder eine jüdische Bevölkerung, darunter Rabbi Ashtari Haparphi, der das erste Werk über die Geographie Palästinas schrieb. (1322)

Später siedelten sich vorwiegend Araber an, die den Ortsnamen in Beisan umwandelten.

Um 1400 erbauten moslemische Bürger auf dem Tell eine kleine Moschee.

Vor dem 2. Weltkrieg zählte Beisan etwa 3000, vorwiegend arabische Einwohner. 1937 und 1948 wanderten erneut Juden zu.

1948 verlassen die Araber den Ort.

1949 wird Bet Shean unter diesem Namen von den Juden neu gegründet und entwickelt sich zu einer modernen jüdischen Stadt.

Wichtigste Sehenswürdigkeiten:

- größtes römisches Theater Israels

Das römische Theater ist der besterhaltene Theaterbau Israels, wohl schon im 1. vorchr. Jh. erbaut und später unter Kaiser Septimus Severus (193-211) erweitert. Es existierte eine Wasserleitung für Wasserspiele (Naumachien). Das Bühnenhaus ist ca. 90 m breit, der Zuschauerraum faßte etwa 8000 Zuschauer. Architektonisch extravagant gebaut, mit 9 Ausgängen. Die vorderste Sitzreihe aus Marmor war Ehrengästen vorbehalten und konnte durch eine aufsetzbare Ballustrade von den übrigen Rängen abgeteilt werden. Zwei Treppentürme flankieren das Bühnenhaus, von hier aus wurde die raffinierte Bühnenmaschinerie bedient.

- vier ägyptisch-kanaanäische Tempel auf dem Tell el-Husn

Sie kamen unter einem hellenistisch-römischen Dionysostempel zum Vorschein, der von einer byzantinischen Rundkirche und einer um 1400 entstandenen kleinen Moschee überbaut war:

3000 jährige Kontinuität eines heiligen Ortes.

- Tempel Thutmosis III, 1450 v. Chr., dem kanaanitischen Gott Mekal / Mikal, dem Herrn von Bet Shean geweiht - Tempel Amenophis III, erste Hälfte 14. Jh

- Tempel Sethos I., ca. 1300 v. Chr.

- Tempel Ramses III, frühes 12. Jh v. Chr., noch um 1000 v. Chr. im Gebrauch


- mosaikenreiche byzantinische Klosterruine auf dem Tell el-Mastaba

Man fand 18 Siedlungsschichten, die bis ins 4. Jtsd. v. Chr.(Chalkolithikum) zurückgehen.

- Zwischen den Theater und dem Tell el-Husn verlief eine römische Kolonnadenstraße mit vielen Läden.

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