Bethlehem
In
Bethlehem steht im Mittelpunkt des Interesses die Geburtskirche mit
der Geburtsgrotte und auch die Hirtenfelder. Bethlehem, der Geburtsort
Jesu, liegt im arabischen Teil Palästinas. Die Araber deuten den
Namen als "Haus des Fleisches", das hebräische Wort ist
aber wohl besser als "Haus des Brotes" wiederzugeben. Beide
Namen beziehen sich auf die Fruchtbarkeit dieser Gegend und auf die
frühere Hauptbeschäftigung der Bevölkerung mit Landwirtschaft
und Viehzucht.
Die Berghänge sind mit Mandelbäumen, Weinstöcken und
Öl- und Feigenbäumen bepflanzt. Schon im 1. Buch Mose wird
Bethlehem "Ephrat" genannt, "Fruchtland", ein Name,
der später auf die ganze Gegend um Bethlehem übertragen wurde
(1. Mose 35,19).
Heute lebt ein Großteil der knapp 30.000 Bewohner vom Fremdenverkehr,
insbesondere vom Herstellen und Verkauf von Andenken. Bethlehem präsentiert
sich teilweise noch als echt orientalisches Landstädtchen mit arabischen
Märkten, bunten Basargassen und Bauern, die ihre Schafe zur Weide
treiben.
In 1. Mose 35,19 wird eine Straße erwähnt, die nach Bethlehem
führt, d.h. eine Siedlung muß hier sehr früh bestanden
haben.
Für die Richterzeit werden die Angaben dann genauer: Einen guten
Einblick in die Lebensverhältnisse der bethlehemitischen Feldarbeiter
und Großgrundbesitzer sowie die damaligen Hochzeitsbräuche
gewährt das Buch Rut, in dem die Geschichte der Ahnen Davids geschildert
wird.
Ins Licht der Geschichte rückt Bethlehem mit David, der hier geboren
wurde, zunächst als Schafhirte lebt und dann von Samuel zum König
gesalbt wurde. Sein Enkel Rahabeam (König von Juda 926 bis 910
v. Chr.) baute Bethlehem zur befestigten Stadt aus. Nach der Rückkehr
aus der Babylonischen Gefangenschaft (ca. 539 v. Chr.) wurde das Gebiet
von neuem besiedelt (Esra 2,21).
Das Ereignis jedoch, dem Bethlehem seine Berühmtheit verdankt,
ist die Geburt Jesu.
Die Geburtskirche ist eine der wenigen fast vollkommen erhaltenen Bauten
der frühchristlichen Epoche. Sie hat, trotz Zerstörungen und
Umbauten, die Zeiten in annähernd unveränderter Form überstanden.
Im Jahr 326 ließ Kaiser Konstantin auf Anraten seiner Mutter Helena
eine Basilika über dem vermeintlichen Geburtsort Jesu errichten.
Die Einwohner Bethlehems wußten, daß Jesus in einer Grotte
zwischen Bäumen am Rande des Dorfes geboren worden war (Origines).
Die Bäume wurden gefällt und über der Grotte entstand
die achteckige Ostapsis des konstantinischen Baus.
In einer der Grotten unter der Kirche schrieb Hieronymus (ca. 347 bis
420) seine berühmte Bibelübersetzung.
Während der Wirren eines Samariter-Aufstandes wurde die konstantinische
Basilika im Jahr 529 schwer beschädigt. Kaiser Justinian I. (527-565)
befahl den Abriss des Baus und errichtete statt dessen die fünfschiffige
Geburtskirche, wie sie heute noch besteht.
Als 614 die Perser einfielen verschonten sie die Geburtskirche angeblich
deshalb, weil sie in den Gestalten des Giebelmosaiks die "drei
Weisen aus dem Morgenland" ihre eigenen Vorfahren wiedererkannten.
Anläßlich seines Besuchs in Bethlehem ordnete Kalif Omar
638 an, dass den Muslimen das südliche Querschiff als Andachtsraum
übergeben werde. Das friedliche Zusammenleben von Christen und
Muslimen verhinderte dann auch eine Zerstörung der Kirche unter
dem Fatimiden al-Hakim, der alle anderen christlichen Stätten zerschlagen
ließ (1009).
In die Hand der Kreuzfahrer kam Bethlehem 1099. Im Jahr 1100 wurde Balduin
I. in der Kirche zum König von Jerusalem gekrönt. Durch den
jetzt einsetzenden Pilgerstrom wurde Bethlehem reich. Die Wände
der Kirche wurden mit weißen Marmorplatten ausgekleidet. Goldgrundige
Mosaiken wurden angebracht, aber nach dem Abzug der Kreuzfahrer verfiel
die Kirche zusehends, vor allem unter der Türkenherrschaft. Hinzu
kam der Konflikt zwischen den orthodoxen Griechen und den Franziskanern
um den Besitz des Heiligtums.
1810 gelang es dann auch noch den Armeniern, sich in der Kirche niederzulassen.
Trotz des "Status quo", der die Verteilung der jeder Religionsgemeinschaft
zustehenden Plätze genau regelt, konnten blutige Zusammenstöße
nicht vrhindert werden.
Schwere Schäden verursachten ein Erdbeben im Jahr 1834 und ein
Brand im Jahr 1869. Von den drei Eingängen sind zwei vermauert.
Über dem offenen Mitteleingang sind noch der justinianische Fries
und der Kreuzfahrerbogen zu erkennen. Dieser Eingang wurde im 16. Jahrhundert
verkleinert (Höhe 1,2 m), um zu verhindern, dass Reiter auf Eseln
oder Kamelen in die Kirche gelangen.
Auf beiden Seiten des inneren Chors führen Treppen in die annähernd
rechteckige Geburtsgrotte. Der von 53 Lampen erhellte Raum ist 3 m breit
und ca 12 m lang. Der Fußboden vor dem Altar ist mit weißem
Marmor belegt. Der Stern, der die Geburtsstätte Jesu bezeichnet
trägt die Inschrift "HIC DE VIRGINE MARIA JESUS CHRISTUS NATUS
EST" - "Hier ist Jesus Christus von der Jungfrau Maria geboren
worden" - und die Jahreszahl 1717.
Etwa
1 km östlich von Bethlehem liegt Beit Sahur, das Dorf der Hirten,
in dem hauptsächlich Christen leben. Hinter diesem Ort dehnen sich
fruchtbare Felder aus, die "Feld der Rut" und das "Feld
der Hirten" genannt werden. Hier soll sich die Geschichte der Rut
abgespielt haben - und hier empfingen die Hirten die Botschaft von der
Geburt Jesu: "Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus,
der Herr, in der Stadt Davids!"
