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Am 29. Januar 2007 wurde unser
Verein zur Förderung des geistlichen Lebens in der Evangelischen Kirchengemeinde Liebenscheid e.V. gegründet.
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Aus der Geschichte der Ortsgemeinde Liebenscheid

Aus der Siegener Zeitung vom 11. Oktober 1941

Sechshundert Jahre sind nun verflossen seit der Zeit, in der das Dorf Liebenscheid ... in einer Urkunde erwähnt wird, die heute noch vorhanden ist und sich im Wiesbadener Archiv befindet.
Wenn auch feststeht, dass dieses Dorf bereits vor dem Jahre 1341 bestanden haben muss, so kann man sich andererseits bei der Festsetzung von Ortsjubiläen lediglich auf die erste Urkunde stützen.
Und das ist für Liebenscheid eben die vom Jahre 1341, in der ein Teilungsvertrag zwischen den beiden Söhnen des Grafen Johann von Nassau-Dillenburg enthalten ist. In diesem Vertrag wurde dem jüngeren Bruder Heinrich, der bis dahin Domherr in Speyer gewesen war, ... u.a. auch Liebenscheid zugesprochen. ...
Graf Heinrich I. wählte als Residenz gewöhnlich Beilstein oder Liebenscheid, vielleicht auch deshalb, weil die Umgebung Liebenscheids damals sehr fisch- und wildreich war. Soweit aus alten Urkunden zu ersehen ist, war das Liebenscheider Schloss vor 600 Jahren noch nicht fest ausgebaut, sondern ein Jagdschloss.
Das geht auch aus dem Dokument hervor, in welchem Kaiser Karl IV. im Jahre 1360 Stadtrechte für den Ort Liebenscheid erteilt.
In diesem kaiserlichen Privileg wurden Liebenscheid ausdrücklich die gleichen Stadtrechte wie der Reichsstadt Wetzlar gewährt.
Der Landesherr dehnte diese Vergünstigung auch auf den benachbarten Ort Weißenberg aus. In Ausnutzung der vom Kaiser erteilten Rechte wurde Liebenscheid in der Folgezeit befestigt. Um das Dorf zog man eine Mauer mit zwei Türmen, und vor dieser Mauer legte man einen Wassergraben an, dessen Verlauf man ebenfalls heute noch verfolgen kann.
Außerdem wurde Liebenscheid der Sitz eines Centgerichtes.

Die Bewohner von Liebenscheid und Weißenberg hatten übrigens als "Städter" bei der Leistung des Frondienstes und bei der Zahlung von Abgaben mancherlei Erleichterungen, die sich für die beiden Orte noch auswirkten, als schon längst keine Grafen mehr in Liebenscheid wohnten und die festen Anlagen zerfallen und von Unkraut überwuchert waren.
Nach dem Tode des Grafen Heinrich erhielten dessen beide Söhne das Besitztum, das inzwischen ziemlich stark verschuldet war. Die Söhne unterhielten nur eine kleine Dienerschaft, um durch Sparsamkeit die Schulden des Vaters abzutragen.
Als der letzte von ihnen 1412 starb, fiel die Grafschaft an einen Neffen, von diesem im Jahr 1425 an dessen Bruder Heinrich III., der sie dann 52 Jahre hindurch verwaltete. Ihm folgte von 1477 bis 1499 sein Neffe Heinrich IV., diesem wieder von 1499 bis 1513 Johann II., anschließend bis 1537 Johann III. und endlich bis 1556 dessen Onkel Bernhard.
Als Bernhard im Jahre 1556 unvermählt starb, ging das Erbteil an seinen Neffen Johann III. zurück. Weil dessen Ehe kinderlos war, vermachte er als letzter Spross der beilsteinschen Grafenlinie, nachdem er vorher zum dritten und letzten Male die Grafschaften Beilstein und Liebenscheid vereinigt hatte, testamentarisch den Gesamtbesitz dem Grafen Wilhelm von Oranien, der das Erbe dann bei Johanns Tode im Jahr 1561 antrat.
Als ein Jahrzehnt danach Jan Rubens, der Vater des später in Siegen geborenen Malers Peter Paul Rubens, zunächst in Köln in engere Beziehung zu Anna von Sachsen, der Gattin des Oraniers, trat und diese in den folgenden Jahren in Siegen fortsetzte, wurde er schließlich durch Wilhelm gefangengenommen und jahrelang eingesperrt.
Dabei waren es ... auch die Schlossmauern von Liebenscheid, hinter denen er seine Kerkerstrafe verbüßen musste. Gegenüber der ehemaligen Liebenscheider Schule sind noch die Reste des Mauerwerkes vom ehemaligen Schloss vorhanden. Außerdem befindet sich dort noch ein Kellergewölbe, das aus schweren Bruchsteinen zusammengefügt ist.
Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts hat, wie die Liebenscheider Schulchronik berichtet, ganz in der Nähe der Schlossruinen noch ein fester und hoher Turm gestanden, auf dem sich ein Faulbaum befand, der in jedem Jahr seine Vogelkirschen trug.
Die vor dem Schloss vorhanden gewesenen Fischteiche haben offenbar in erster Linie als Wassergräben zu Verteidigungszwecken gedient.
Vermutlich sind die Schlossanlagen im Laufe des 30jährigen Krieges vernichtet worden, wobei dann gleichzeitig auch die Stadtrechte für Liebenscheid verloren gingen. Jahrhunderte vorher, als Liebenscheid noch nicht solche starken Mauern und schützenden Wassergräben besaß, wohnte dort, wie die Westerwaldsagen berichten, Graf Reinhard, der letzte seines Geschlechts.
Sechshundert Jahre sind nun ins Land gegangen seit der Zeit, aus der die ersten urkundlichen Nachrichten von Liebenscheid stammen.
Wieviele Stürme sind in diesen Jahrhunderten über diesen Ort hinweggebraust?
Es waren nicht nur wilde Stürme des Herbstes, die bekanntlich auf dem Westerwald eine besonbdere Stärke entfalten, sondern auch solche kriegerischer Art.
Schwere Notzeiten haben gerade diese mit Fruchtbarkeit und Bodenschätzen wenig gesegnete Gegend immer wieder heimgesucht, die Pest und andere Seuchen taten das Übrige.
Gar oft aber kam es vor, dass infolge ungünstiger Witterung Missernten zu verzeichnen waren, wodurch die Bewohner ins Unglück gebracht wurden. Wenn es im Volksmunde heißt, dass es auf dem Westerwald zu drei Viertel des Jahres Winter und im restlichen Vierteljahr kalt ist, oder dass die Kirschen dort zwei Jahre zum Reifen brauchen, so wird in der alten Liebenscheider Schulchronik des öfteren bestätigt, dass diese Aussprüche gar nicht einmal so abwegig sind. Es ist keine Seltenheit, dass winterliches Wetter sowohl im Oktober als auch Mitte bis Ende Mai verzeichnet wird.
Eine ganz besondere Ausnahme aber machte das Jahr 1893, in welchem es vom 19. März bis 8. Juli, von wenigen Tagen abgesehen, überhaupt nicht regnete.
Die Folge war für Liebenscheid, dessen größte Erwerbsquelle ... die Viehhaltung ist, verheerend. Die Futterknappheit war so groß, dass je Zentner Heu 10,00 Mark gezahlt wurden, während eine Kuh nur 60 bis 80 Mark kostete.
Zwei Jahre vorher richtete im Juni ein furchtbares Gewitter, bei dem auch ein Liebenscheider Mann auf dem Weg nach Burbach vom Blitz erschlagen ... wurde, schweren Schaden an, während im Jahre 1895 Hagelschlag innerhalb von 10 Minuten die gesamte Ernte vernichtete.
Diese drei Witterungsunbilden innerhalb eines Jahrfünfts mögen Beispiele dafür sein, wie sehr die Liebenscheider Bevölkerung allezeit um den Ertrag ihres Bodens hat bangen und ringen müssen.
Noch vor der Jahrhundertwende haben sich die wirtschaftlichen Verhältnisse Liebenscheids grundlegend gebessert, eine Tatsache, die nicht etwa darin allein ihren Niederschlag findet, dass der jetzige Lehrer Schäfer schon seit 1907 dort treu seines Amtes waltet, sondern auf allen Gebieten der dörflichen Gemeinschaft.
Der Chronikschreiber berichtet im Jahr 1900: "Die Notzeit ist vorüber. Viele gehen ins Siegerland auf Hütten und Gruben und verdienen mitunter sechs bis sieben Mark am Tag. Luxus und Leichtsinn nehmen in besorgniserregender Weise zu."
Jener Chronist wusste dabei von einer Wasserleitung oder gar vom elektrischen Licht in Liebenscheid noch nichts.
Hätte er erst gesehen, mit welcher Freude wenige Tage vor Weihnachten 1922 das Aufleuchten der Glühbirnen in Liebenscheid bejubelt wurde, so wäre auch ihm sicher eine bessere Erleuchtung gekommen.
Ob er wohl wirklich heute noch von einer "guten, alten Zeit" sprechen würde? Man möchte es bezweifeln.