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Der Altar in der Liebenscheider Kirche

Die Geschichte der Menschheit beginnt nach der Erzählung der Bibel damit, dass Adam und Eva zwei Söhne haben, Kain und Abel, und dass diese Gott von ihren Erträgen opfern.
Auch Noah opferte von den Tieren und baute dem Herrn einen Altar.
Altar und Opfer sind nicht allein dem biblischen Glauben eigentümlich; wir finden sie in der ganzen Menschheit. Wir kennen diese Bilder aus dem alten Griechenland, wo Opfertiere am Altar geschlachtet werden, wir wissen um Bilder aus Indien oder Bali, wo Menschen Türme von Opfergaben zusammentragen; im früheren Mittelamerika wurden schreckliche Menschenopfer gebracht.
Opfern hat etwas Unökonomisches, das unserer Welt des Kommerzes widerspricht. Der Mensch gibt etwas hin, ohne dafür sichtbar etwas zurückzubekommen. Das Gebilde, auf dem das Opfer gebracht wird, Steinhaufen, Bank oder Tisch, nennen wir Altar.
Was hat der noch in einer christlichen Kirche zu suchen, noch dazu an bevorzugter Stelle: in der Mitte des Raumes oder im Chor? Dreierlei kann man am Altar erfahren:
Gott begegnen - Gott empfangen - in Gottes Gemeinschaft leben.
Gott begegnen - Wir erfahren, dass wir Leben empfangen, nicht aus uns selbst haben, uns nicht uns selbst verdanken:
Was wir im Leben erreichen, geschieht nie nur aus eigener Kraft. Und was wir erwerben, gehört zuletzt nicht uns selbst alleine: Wir können nichts mitnehmen, wenn wir einmal sterben. Diese Wahrheit wird im Opfer dargestellt und erfahren.
Und eben dies heiß Gott begegnen: ohne Berechnung und Spekulation!
Opfern heißt: Ich habe mich nicht selbst geschaffen. Indem ich etwas von meinem Leben hingebe, lege ich Zeugnis ab für die Macht, die größer ist als ich.
So begegne ich Gott, der unverfügbaren Macht, aus der ich herkomme.
Opfern sagt: Was ich habe und bin, gehört nicht mir allein. Indem ich etwas davon weitergebe ohne Gegenleistung, begegne ich Gott, der Macht des Schenkens. Leben ist Geschenk, und nur der lebt wirklich, der es weiterschenkt.
Jesus hat gesagt: "Umsonst habt ihrs empfangen, umsonst gebt es auch!"
Darum legt man seit alters Gaben auf den Altar: Brot und Wein, die Feldfrüchte am Erntedank und heute in manchen Kirchen die Kollekte.
Gott begegnen heißt zu erfahren: Leben ist Empfangen und Schenken!
Jesus Christus hat uns einen neuen Sinn des Opfers gezeigt. Da geht es nicht mehr um einzelne Gaben, mit denen man Gott begegnen will, um ihn günstig zu stimmen. Vielmehr ist Gott für Jesus die Macht, die alles Leben schon vorweg gewährt,
die Lilien auf dem Feld kleidet, die Vögel unter dem Himmel ernährt,
das verlorene Schaf sucht, die Schuld vergibt und zum großen Gastmahl einlädt. Diesen Gott richtig erfahren, Gott empfangen, darum geht es für den Menschen.
Jesus nahm sein Leben von Gott als Geschenk und schenkte es weiter für Menschen, die ihn brauchten, bis zum Tod am Kreuz.
Diese Erfahrung hat die Jünger Jesu gewiss gemacht, dass Gott in Jesus sich selber schenken will, dass man Gott in Jesus empfangen kann.
Als Zeichen dafür gab Jesus das Abendmahl.
Er nahm das Brot, dankte und brach es und gab es seinen Jüngern, und sprach:
Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.
Ebenso nahm er den Kelch, dankte und gab ihnen den und sprach: Das ist das Neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Solches tut, zu meinem Gedächtnis.
Wer Abendmahl feiert - am Altar, am Tisch des Herrn - der öffnet sich für Jesus Christus, für Gott selbst, für den Gott, der das Verlorene sucht, die Schuld vergibt und zu seinem großen Gastmahl einlädt.
Wer Abendmahl feiert, erlebt Gemeinschaft. Jesu Lebensopfer galt nicht nur dem einzelnen, sondern auch der Gemeinschaft - es zieht den einzelnen in die Gemeinschaft mit Christus hinein, denn wir nehmen teil an einem Leben, dass für alle Menschen da war.
Darin lebt Gott selbst, in der Macht der Liebe, die Gemeinschaft schenkt; er ist die Macht, die Gemeinschaft stiftet, in der wir geborgen sind, in der einer für den anderen da ist.
Diese Gemeinschaft, die am Altar begründet wird, möge ausstrahlen in unsere Herzen!

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